Geschichte

Ein Kloster wird Knabenschule

Um 1140 gründeten Graf Ludwig von Wippra und seine Gemahlin Mechthilde ein Kloster am Westrand des Dorfes Rostenleba, dem heutigen Roßleben. Am 22. Februar 1142 erhielt das Kloster die Bestätigungsurkunde durch Papst Innozenz II. und am 24. Februar 1174 den Schutzbrief von Kaiser Friedrich Barbarossa. Infolge des Thüringer Grafenkrieges (1341–45) erhielt der landgräfliche Hofrichter, Kristan von Witzleben, 1355 die Burg Wendelstein als erbliches Lehen. Damit war die Vogtei über das Kloster verbunden.
Im Zuge der Reformation wurde das Kloster um 1540 aufgegeben. Der Schirmvogt, Ritter und Doktor beider Rechte, Heinrich von Witzleben, gründete 1554 mit Unterstützung von Georg Fabricius in dem ehemaligen Kloster eine Knabenschule für zunächst 60 Schüler. Ganz im Sinne Martin Luthers sollte sie „eine Schule für alle Befähigten“ werden, unabhängig von der sozialen Herkunft ihrer Schüler.

Zerstörung und Wiederaufbau

Der Dreißigjährige Krieg hatte schwere Folgen für die Schule. Im Zeitraum von 1554 bis 1639 hatten bereits 1435 Schüler die Schule besucht. Aufgrund der schrecklichen Kriegsereignisse wie Plünderungen, sowohl durch schwedische als auch kaiserliche Truppen, Seuchen und Brandschatzungen musste die Schule 1639 geschlossen werden. Die Bevölkerungszahl von Roßleben sank in dieser Zeit von 2100 (1620) auf etwa 100 (1642). Am Karfreitag 1686 fiel Roßleben einem Großbrand zum Opfer, der auch die Klosterschule zerstörte. Von 1727 bis 1742 wurde das heutige Schulgebäude errichtet. Den Plan entwarf der kurfürstliche Bauinspektor, J. H. Lobenstein, der auch den Bau leitete. Es entstand ein einzigartiges barockes Gebäude mit einer natursteinsichtigen Fassade und schlossartigem Erscheinungsbild. Spezifisch für die Bedürfnisse eines Schulbetriebs entworfen, ist die Klosterschule heute eines der ältesten genutzten Schulgebäude Deutschlands.

Die Klosterschule im „Dritten Reich“

Die an der Schule geltenden Wertevorstellungen führten bei der Mehrzahl der Lehrer und Schüler zu einer kritischen Einstellung zum Nationalsozialismus. 1942 wurde Dr. Wolf-Dietrich von Witzleben Erbadministrator der Stiftung Klosterschule Roßleben. Sein ganzes Bemühen war darauf gerichtet, die ihm anvertraute Schule in ihrer Eigenart und humanistischen Tradition vor dem Machtanspruch des NS-Staates zu verteidigen. Mehrere ehemalige Klosterschüler schlossen sich dem Widerstand gegen das NS-Regime an. Fünf Absolventen der Klosterschule und ein Mitglied der Stifterfamilie wurden wegen ihrer Beteiligung am Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 verhaftet und in Berlin-Plötzensee ermordet.

Zeit der sowjetischen Besatzung

Nach Kriegsende verhaftete die sowjetische Besatzungsmacht 17 Schüler, fünf Lehrer und den Hausmeister der Klosterschule, welche als angebliche „Werwölfe“ denunziert wurden. Zwei Lehrer und der Hausmeister wurden erschossen, zwei weitere Lehrer und drei Schüler verstarben in den Internierungslagern Buchenwald und Sachsenhausen an den Haftbedingungen.
Mehrere Schüler wurden nach Sibirien verschleppt, der letzte kehrte erst 1955 wieder heim. Die Stiftung wurde 1948 durch die sowjetische Besatzungsmacht enteignet und agierte ab 1955 mit einer Interimssatzung von München aus. Die verstaatlichte Klosterschule wurde zunächst als Landesheimoberschule weitergeführt, später als erweiterte Oberschule (EOS ) mit Namen „Goethe-Schule“.

Die Sanierung der Schule nach der Wende

Nach der Deutschen Wiedervereinigung kaufte die Stiftung unter der Leitung ihres damaligen Geschäftsführers, Friedrich-Karl von Witzleben, das Schulgelände mit allen Gebäuden zurück. Aufgrund eines Nutzungsvertrages mit dem damaligen Landkreis Artern erfolgte ab 1992 eine Grundsanierung der Schule mit einem Investitionsaufwand von rund 11 Millionen Euro. Im Mai 1993 konnte der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden. Die Schule erhielt den Namen ,,Staatliches Gymnasium Klosterschule Roßleben“ und verblieb zunächst in der Trägerschaft des Kreises, die Stiftung war Eigentümerin des Schulgeländes und Trägerin des Internats.

Gymnasium und Internat unter einem Dach

19 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung wurden Internat und Gymnasium wieder eine pädagogische Einheit. Am 18. Dezember 2008 unterzeichneten der Landrat des Kyffhäuserkreises und der Geschäftsführer der Stiftung Klosterschule Roßleben einen Vertrag, der die Verstaatlichung beendete. Mit Bescheid des Thüringer Kultusministeriums vom 15.06.2009 wurde die Klosterschule Roßleben in eine staatlich anerkannte Ersatzschule in freier Trägerschaft umgewandelt.

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