Filmpräsentation „Aleppo-Leipzig: Kein Weg zurück?“

Ort: Klosterschule Roßleben, Aula
Start: 15.01.2019 19:00
Ende: 15.01.2019 20:30

Im Dokumentarkurzfilm „Aleppo-Leipzig: Kein Weg zurück?“ begleitet der jordanisch-deutsche Filmemacher Adnan Ramahi eine syrische Flüchtlingsfamilie in Leipzig. Muna Karnib und ihre Töchter Nuur und Rama berichten über die Probleme des Fremdseins in ihrer neuen Umgebung, fernab ihrer Heimat Aleppo. Wird es ihnen gelingen, in Leipzig ein neues Dasein aufzubauen und die vielen kulturellen Barrieren zu überwinden?

In nur drei Monaten produzierte weissraum den 17-minütigen Dokumentarfilm. Dank gilt vor allem der Sächsischen Landesanstalt für Privaten Rundfunk und Neue Medien für die Unterstützung des Filmes.

Hier geht´s zum Flyer: Flyer Film Aleppo Leipzig

Eine kurze Geschichte zum Film

Es war ein Tag im September 2015, als ich Adnan Ramahi erstmals in der Wohnung meines Sohnes in Leipzig traf. Er hatte ein Theaterstück meines Sohnes gesehen, in dem Flüchtlinge aus Syrien ihre eigenen Geschichten auf die Bühne brachten. Adnan hatte die Idee, einen Film über einige der Flüchtlinge und ihre Probleme in der „Neuen Welt“ zu machen.

Vom ersten Moment war unser Verhältnis sehr herzlich und so beschlossen wir, das Projekt gemeinsam anzugehen. Einige Monate vergingen, in denen Adnan sich oft mit der Familie von Muna traf, um ihre Situation kennenzulernen und den Film vorzubereiten. Als Produzent kümmerte ich mich derweil darum, ein bisschen Geld für das Projekt aufzutreiben, was obgleich das Thema gerade damals „Brisanz“ hatte, nicht einfach war.

Im Februar 2016 trafen sich dann Adnan, mein Freund und Kameramann Eckart Reichl und ich in Leipzig und drehten in knapp einer Woche gemeinsam mit Muna, Nuur und Rama den Film. Natürlich gab es am Anfang einige Probleme, vor allem bezüglich der konkreten Drehsituationen und der noch anfänglichen Scheu unserer Protagonistinnen, die ja obgleich ihrer ersten Theatererfahrungen keine Profis waren. Sehr schnell gewannen wir aber ein herzliches Verhältnis und die Dreharbeiten gingen gut voran. Das war vor allem auch deshalb möglich, weil Adnan mit seinen langjährigen Erfahrungen alles gut geplant hatte und die Familie intensiv vorbereitete.

Die Woche war wie im Flug vorüber, jeder Drehtag war mit mehreren Drehorten geplant. Und wie so häufig mussten wir natürlich immer wieder improvisieren und gemeinsam Varianten für die einzelnen Situationen gestalten. Das war mitunter anstrengend und erforderte vor allem von unserem Kameramann Eckart ein hohes Maß an Flexibilität und Einfühlungsvermögen. Da ich mit ihm schon fast 20 Jahre zusammenarbeite, konnte ich mich voll auf ihn verlassen.

Ob eingezwängt auf dem Vordersitz im holprigen Tagebaugelände oder sich auf dem Fensterbrett nach aussen lehnend, um die Straßenbahn im richtigen Blick zu haben – wir hatten in allen Situationen immer viel Freude, auch wenn es galt, das eine oder andere Missverständnis zu klären, was die Sprachbarrieren oder auch die unterschiedlichen Gewohnheiten mit sich brachten.

In besonderer Erinnerung ist mir noch der Nachmittag, als wir eine Begegnungsszene mit Dresdner Freunden der Familie drehten und ein opulentes syrisches Essen von den drei Frauen in ihrer Wohnung herbeigezaubert wurde. Als wir an einem anderen Tag im nahegelegten ehemaligen Tagebaugelände die Fluchtszenen drehten, war ich von der Offenheit unserer Protagonistinnen, mit der sie diese für sie traumatische Situation nachstellten, tief beeindruckt.

Am Ende war für uns mehr als ein Film entstanden. Eine Begegnung, in der es uns möglich wurde, etwas tiefer in die Gefühle und Probleme einer Mutter mit ihren zwei erwachsenen Töchtern zu sehen, welche ihre Heimat unter dramatischen Verhältnissen verlassen mussten und das gute Gefühl, gemeinsam etwas Besonderes erlebt und gestaltet zu haben – einen ungewöhnlichen Blick hinter die Kulissen einer menschlichen Tragödie, die hierzulande noch immer allzu oft mit dem Begriff „Flüchtlingskrise“ pauschalisiert und abgetan wird.

Harald Schluttig

Produzent und Kunstlehrer Klosterschule Roßleben

 

 

zurück